Vorbemerkung

Eine Arbeit im Rahmen des Philosophie-Unterrichts der 11. Jahrgansstufe des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums.

Ich wurde im Gästebuch dieser Homepage darauf hingewiesen, dass der Begriff Mongoloismus diskriminierend sei (insbesondere dass falsche Assoziationen mit den Einwohnern der Mongolei entständen), stattdessen heute die Bezeichnungen Trisomie 21 oder Down Syndrom üblich sein. Ich möchte betonen, dass ich keinerlei Diskriminierungen beabsichtige. Jedoch steht dieses Referat in seiner Originalform in Internet und ich möchte es nachträglich (über Korrektur von Rechtschreib- und Grammatikfehler hinaus) nicht mehr verändern.

Autoren des Referats

Inhalt


Vorwort

Schon seit Jahrtausenden hat der Mensch in seinem Bestreben, die Natur zu besiegen und ihre sogenannten Fehler zu beheben, mehr oder weniger wissenschaftliche Mittel eingesetzt und seine Techniken immer weiter fortgesetzt. Besonders in den letzten Jahrzehnten, in denen sich unser Wissen alle paar Jahre verdoppelt hat, scheinen nur noch wenige Naturphänomene vom Menschen unkontrollierbar, wobei im Gegensatz viele Bereiche der Natur aufgrund ihrer Beherrschbarkeit dem Menschen zum Opfer gefallen sind.

Das für den Menschen interessante sind jedoch schon immer diejenigen Gegebenheiten der Natur gewesen, für deren Komplexität die Wissenschaftler noch nicht den richtigen Durchblick hatten. Da sind einige Naturphänomene, wie z.B. Tornados, Hurricanes, Erdbeben und Vulkanausbrüche, die innerhalb von ein paar Minuten das Leben tausender Menschen meist negativ beeinflussen können. Doch der Mensch muss nicht erst auf diese Katastrophen warten, um die unbeschreibliche Macht der Natur zu erkennen. Die von uns gemeinte Gegebenheit liegt in viel kleinerem Maßstab, kann aber genauso viel Menschenleben beeinflussen. Die Rede ist von der Information, die die Existenz des Menschen erst ermöglichen. Die Rede ist von den Genen, die auf den fadenförmigen Chromosomen jedes lebenden Wesens in unbeschreiblichen Mengen vorliegen - auf einer Doppelhelix aus Desoxyribonukleinsäure.

Was haben für das menschliche Auge unsichtbare Gene schon für besondere Auswirkungen auf die Menschheit - in negativer oder positiver Hinsicht? Hier eine Stunde in Geschichte:

Es gibt verschiedene genetisch bedingte Erbkrankheiten, die das Verhalten und die Zurechnungsfähigkeit des Individuums und das seiner Nachfolger negativ beeinflussen. Wer weiß schon, dass auch viele Königshäuser früher an Erbkrankheiten litten. Ein Beispiel für eine solche Krankheit ist die Porphyrie. Normalerweise beinhalten alle Zellen des menschlichen Körpers Porphyrine, purpurrote Pigmente. Doch eben der seltene Erbschaden der Porphyrie führt zu konzentrierter und starker Ausscheidung dieser Pigmente. Das geschieht allerdings unter großen Schmerzen, Lähmungen und Depressionen sowie einer großen Lichtempfindlichkeit der Haut. Nun, was hat das mit Geschichte zu tun? An dieser Krankheit litten drei Linien von Königshäusern. Ein Monarch dieser Linie war König Georg III. von England. Man hielt König Georg III. für verrückt - und auch heute können wir das meinen, wenn wir hören, dass er seine Zeit in abgedunkelten Räumen verbrachte und Bäumen die Hand schüttelte. Aufgrund dieses Fehlers der Natur, aufgrund der Mutation eines einzigen, winzigen Gens, war es dem englischen König Georg III. nicht möglich, die Krise in den 13 englischen Kolonien in Amerika im Jahre 1775 unter Kontrolle zu bringen und das führte zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, Dies änderte in den letzten Jahrhunderten den gesamten Lauf der Weltgeschichte und ermöglichte die Errichtung einer Weltmacht, die schon Millionen menschlicher Schicksale beeinflusst hat und heute noch genug Macht hat, um Milliarden Menschenleben negativ zu ändern.

Doch auch Gene führen nur selten zu solch weltverändernden Schicksalen - meist beeinflussen die Gene und Genmutationen nur das Individuum und Teile des sozialen Gefüges, in dem es sich befindet. Es sind über einhundert genbedingte Erbkrankheiten identifiziert worden, darunter meist rezessiv weitervererbte Krankheiten, wie z.B. Albinismus, Spalthand, Schizophrenie, Bluterkrankheit, Rot-Grün-Verwechslung und Phenylketonurie.

Nun, da der Mensch doch so weit fortgeschritten ist, haben Theoretiker schon Vorstellungen, wie man diese Gene beeinflussen kann. Und sobald der Mensch schon seine Vorstellungen hatte, ist der Schritt zur Praxis nicht sehr weit.

Da Menschen das Unbekannte fürchten und die Genetik bis heute für viele Menschen ein Schlagwort, eine komplizierte wissenschaftliche Disziplin, ein Buch mit sieben Siegeln ist, schreckt die Bevölkerung auf, wenn man von Fortschritten der Genetik hört. Als das sogenannte "Genfood" auf den Markt kam, waren viele Leute erschreckt über biologische Erzeugnisse, vom Menschen manipuliert und nicht über allem Zweifel erhaben. Dabei haben die Menschen schon lange zuvor Züchtungen betrieben und damit in die Natur indirekt eingegriffen. Genmanipulierte Erzeugnisse müssen differenziert gekennzeichnet ist, was ein guter Schritt ist, bis die Hemmschwelle der Bevölkerung gegen Gentechnik gesenkt ist.

Ein Schaf wurde geklont! Und das hat einen neuen Aspekt der Gentechnik aufgeworfen: kann man es moralisch verantworten, Menschen zu klonen, wenn man schon die Kenntnisse dazu hat? Und letztendlich hat ein Naturwissenschaftler Embryonen geklont - es waren zwar nicht lebensfähige, genetisch kranke Embryonen, aber waren es nicht schon Menschen. Die Weltöffentlichkeit ist gespalten in die Parteien der Gengegner der momentanen Mehrheit und der Genbefürworter, die mit jedem technischen Fortschritt immer mehr an Zulauf gewinnen.

Doch sollte man Gengegnern nicht vorhalten, dass durch Gentechnik viele Leiden der Menschheit geheilt werden können und dadurch der Genpool des Menschen aufgebessert werden könnte? Liegt die Vermutung wiederum nicht nahe, dass der Mensch jeden noch so harmlosen Fortschritt zur Geisel der Menschheit machen könnte - und dass auch die Genetik ein heißes Eisen ist?

Es gibt also verschiedene Aspekte der Gentechnik, die wir in dieser Hausarbeit aufgreifen werden. Wir werden Versuchen, in diesem Zusammenhang Fakten und Überlegungen anzubringen, die die Zukunft der Genetik hinterfragen, und wir wollen hoffen, einige Probleme dem Leser darzustellen.

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Der optimierte Mensch

Mit Hilfe des Fortschritts in der Fortpflanzungsmedizin bzw. Genetik wollen Fortpflanzungs-mediziner den natürlichen Zufall, welches Erbgut sich bei der Befruchtung einer Eizelle miteinander vermischt, weitgehend ausschalten. Falls trotzdem der Embryo Mängel aufweisen sollte, werden diese durch Prä-Implantations-Diagnostik aufgespürt und gentherapeutisch behoben.

Bedingt durch diese zukunftsweisenden Möglichkeiten entsteht ein Konflikt: Manche erträumen sich eine Zukunft ohne Erbkrankheiten und Mißbildungen, andere befürchten jedoch, daß die anfängliche Beseitigung schwerer Krankheiten in eine Optimierung des Menschen umschlägt.

Den ersten Versuch hinsichtlich dieser Debatte unternahm der amerikanische Direktor des Zentrums für Künstliche Befruchtung Jeremy Hall, der durch Teilung von siebzehn Embryonen achtundvierzig erhielt und somit nachwies, daß man nicht nur Tiere sondern auch Menschen klonen kann. Für dieses Experiment verwandte er jedoch nicht lebensfähige Embryonen, die er ein paar Tage später hat sterben lassen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Eltern das Erbgut ihrer zukünftigen Kinder nach Wunsch manipulieren, sie klonen lassen oder gar per Katalog bestellen. Trotz dieser für manchen positiven Vorstellung ergibt sich ein Problem, dessen Lösung bisher unbekannt ist: Die Zahl der Mißbildungen und spontanen Embryoabstoßungen steigen mit jeder Klon-Generation.

Eine zweite Art des Klonens ist der Austausch des Erbgutes einer Eizelle gegen das einer Körperzelle der gewünschten Person. Der auf diese Weise entstandene Mensch ist äußerlich identisch mit seinem Spender. Bei dieser Methode wird jedoch außer acht gelassen, daß das Wesen und die Person eines Menschen nicht nur von seinen Genen abhängt. Vielmehr wird sein Charakter und seine späteren Fähigkeiten vom sogenannten sozialen Uterus (Arnold Gehlen) bzw. dem sozialen Umfeld geprägt. Außerdem ist es bei jedem Individuum unterschiedlich, wie sich im Laufe der embryonalen und frühkindlichen Entwicklung die Gehirnzellen verschalten.

Falls solche Fortpflanzungsmethoden legalisiert würden, gäbe es dennoch genügend Interessenten, denn schon heutzutage finden sich viele bereits unfruchtbare Frauen, die sich eine fremde und durch ihre Männer künstlich befruchtete Eizelle einpflanzen lassen und schließlich trotz ihres hohen Alters ein Kind gebären können. Z. B. der römische Mediziner Severino Antinori ermöglicht ihnen diesen noch ungewöhnlichen Fortpflanzungsweg.

Aber der Mangel an Eizellen in Samenbanken behindert die künstliche Befruchtung und das evt. Klonen per Kerntransfer. Um dieses Problem zu beheben, hat der schottische Mediziner Rodger Gosden folgenden Tierversuch durchgeführt: Er hat die Eizellen aus abgetriebenen Mäuseföten isoliert und einem Mäuseweibchen implantiert. Diese brachte gesunde Mäuse zur Welt.

Gosden hat nun natürlich den Antrag gestellt, dieses Verfahren auch beim Menschen verwenden zu dürfen. Nach einer Abtreibung könnten also dann die abgestoßenen Föten auch einer Samenbank zu weiteren Verwendungszwecken zur Verfügung gestellt werden. Ein weiterer Gewinn könnten weibliche Föten sein, da die Eierstöcke schon sehr früh in der embryonalen Entwicklung weitgehend ausgereift sind und die Anlagen für ca. 400 Eier enthalten. Prinzipiell könnte es folglich Kinder geben, deren Mütter nie geboren waren.

Angesichts solcher Möglichkeiten würde sich u. U. sogar die zukünftige Familienplanung ändern:

Dieser Schritt ist bei Tieren schon mehrmals geglückt, beim Menschen jedoch bisher mißlungen: 1992 konnten Ärzte das sogenannte "Erlanger Baby" vierzig Tage im Leib seiner hirntoten Mutter am Leben halten. Vor der Überführung in einen Brutkasten wurde er jedoch von der Mutter abgestoßen. Die Ärzte hatten trotzdem die Möglichkeit, Erfahrungen über die Kriterien einer "funktionierenden Gebärmaschine" zu sammeln.

Entgegen der Anwendung solcher gesammelten Erfahrungen und der Praktizierung der aufgelisteten neuen Möglichkeiten steht jedoch das Embryonenschutzgesetz von 1991, das die Manipulation von Föten und der Transfer von Eizellen in Leihmütter in Deutschland verbietet. International verboten ist bisher nur die Keimbahntherapie; folglich haben sich die Forscher Hall, Antinori und Gosden nicht strafbar gemacht.

Ein Fürsprecher der Keimbahntherapie ist der Gentherapeut Prof. French Anderson. Er sieht seine medizinischen Kollegen und sich verpflichtet, mithilfe der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten "Krankheiten zu kurieren und Leiden zu mindern". Für die angemessene Anwendung der Keimbahntherapie seien drei Vorraussetzungen nötig:

Andere Wissenschaftler wie der Schweizer Molekularbiologe unterstützen die Meinung Andersons. Deutsche Wissenschaftler wie Prof. Wolfgang Holzgreve, Prof. Jörg Schmidtke oder Prof. Joachim Dudenhausen problematisieren die Fähigkeit, eine feststehende und verbindliche Grenze zwischen Heilung und Verbesserung ziehen zu können, schließen aber den positiven Heilungszweck nicht aus. Ein grundsätzlicher Gegner der Keimbahntherapie ist Prof. Ernst-Ludwig Winnacker. Er begründet seine Ansicht mit den möglicherweise gefährlichen Konsequenzen dieser Fortpflanzungsmethode: Man könne nicht überprüfen, ob "die Manipulation nicht zu Schäden des Genoms oder der späteren Entwicklung" oder seiner Nachkommenschaft führe.

Dieser Einwand trifft genau den wunden Punkt der Befürworter der Keimbahntherapie. Denn trotz der Kenntnis, daß es viele genetisch bedingte Krankheiten gibt (z. B. Dickdarmkrebs, Diabetes, Muskeldystrophie usw.), ist die wirkliche Hilfe durch diese Therapie noch sehr utopisch. Da man heutzutage die Stelle, an der das Gen eingebaut werden soll, noch nicht präzise lokalisieren kann, könnte gerade dieses "gutgemeinte" Gen verheerende Folgen und schlimme Krankheiten verursachen, die sogar weiter vererbt werden können.

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Euthanasie im Mutterleib

Die Pränataldiagnostik ermöglicht es, gesundheitliche Schäden an Ungeborenen zu erkennen. Durch diese Diagnosemöglichkeit können heute bereits frühzeitig vernünftige Therapiekonzepte entwickelt werden, so das Schwangerschaften nicht mehr auf Grund eines gewissen Risikos beendet werden müssen. Hingegen wurden noch vor wenigen Jahren viele Kinder abgetrieben, obwohl sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% gesund gewesen wären. Diese Panikreaktionen lassen sich heute vermeiden. Dennoch wird auch heutzutage immer noch starke Kritik geübt, wenn eine Diagnose zu einer Abtreibung führt.

Zwischen den Diagnosen "gesund" und "nicht lebensfähig" gibt es viele verschiedene Stufen schwerer und schwerster Behinderungen. Durch solche Diagnosen kommen Eltern und Ärzte immer wieder in schwierige Situationen. Dennoch vertritt Prof. Hansmann die Meinung, dass solche Situationen weder durch Gesetze noch durch Gremien geregelt werden können, sondern die Entscheidung immer im Einzelfall vom Arzt in Absprache mit den Eltern getroffen werden muss. So konnten z. B. einige Kinder mit einem offenen Rücken geboren werden, weil ihre Hirnbefunde gut waren, andere mussten abgetrieben werden. Schwieriger wird es bei dem Mongolismus. Allerdings hat sich bei der Diagnose "Mongolismus" die Abtreibung mittlerweile zur Norm entwickelt.

Eine problematische Entwicklung ist, dass die Eltern mittlerweile den Anspruch auf ein gesundes Kind stellen. Es greift die Vorstellung um sich, dass jemand Schuld ist, wenn ein behindertes oder krankes Kind geboren wird. So haben einige Versicherungen die Beiträge für Pränataldiagnostiker um 50 bis 100 Prozent erhöht, da immer mehr Eltern diese nach einem Diagnosefehler auf Unterhaltszahlungen verklagen und Recht bekommen. Daher wird ein Arzt im Zweifelsfalle immer den Abtreibungswünschen der Eltern nachgeben.

Die immer früher mögliche Diagnose birgt aber eine weitere Gefahr: Je länger die Schwangerschaft dauert, um so mehr wird das Baby akzeptiert. Somit fällt die Entscheidung zur Abtreibung leichter, wenn die Diagnose "behindert" früher gestellt wird. Viele Frauen sind über ihre Schwangerschaft sowieso nicht gerade glücklich, und wenn sie dann noch von einer Behinderung hören, bietet sich ihnen nur noch ein Fluchtweg. Eine bereits vor der 12. Woche mögliche Diagnose wird somit noch mal einen Anstieg bei den Schwangerschaftsabbrüchen geben.

Ein negativer Nebeneffekt der Pränataldiagnostik ist das Sinken der Toleranzschwelle der Gesellschaft gegenüber Behinderten, da der Behinderte ja hätte abgetrieben werden können. Hingegen ist die Bereitschaft der Eltern, ein behindertes Kind anzunehmen, in den letzten 10 Jahren eher gestiegen.

Ein weiterer negativer Effekt ist die Verbreitung von Erbkrankheiten. Denn die Pränataldiagnostik erfasst nur die Träger dominanter Gene. Erbt ein Kind die rezessiven Gene, so gibt es diese mit 25 prozentiger Wahrscheinlichkeit weiter. Früher haben genetisch vorbelastete Familien vermieden, Kinder zu bekommen. Heute können sie durch die Pränataldiagnostik die Gefahr, ein krankes Kind zu bekommen, ausschließen. Somit verbreiten sich Erbkrankheiten. Aber genau darin liegt ja eben der Sinn der Pränataldiagnostik: Auch genetisch vorbelastete Eltern können gesunde Kinder haben. Und das Horrorszenario, das die Pränataldiagnostik das perfekte Wunschkind ermöglicht, gehört ins Reich der Phantasie.

Zusammenfassend wird durch die Pränataldiagnostik ermöglicht, genetisch bedingte Behinderungen und Krankheiten zu diagnostizieren und mit diesem Wissen sinnvolle Maßnahmen einzuleiten.

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Die Blutprobe

Auf der Suche nach dem genetischen Unterschied zwischen den "Rassen" der Menschheit haben sich schon viele Menschen den Kopf zerbrochen und mehr oder weniger triviale Lösungen gefunden, darunter auch die Nationalsozialisten.

Ein Vorteil der genetischen Forschung ist, dass aufgrund der unglaublichen Menge an Informationen in der DNA jede Frage in puncto Rasse, Völker und Ursprung gelöst werden könnte.

Ein Großteil unserer bisherigen Kenntnisse stammt noch aus Studien über die Verbreitung von Blut- und Gewebetypen. Einige Forscher haben dadurch auch geschafft, relativ genaue "Gen"-Karten von Europa zu erstellen, die die Abstammung der europäischen Völker erkennen lassen. Anfangs wurden eher einfache Forschungen durch Vergleich von Blutproben (Blutgruppe, Rhesusfaktor) betrieben, während man nun auch mit dem Genom selbst arbeiten kann.

An solchen Aufgaben wagen sich mehrere Arbeits- und Forschungsgruppen, unter anderem das "Human Diversity Project", das genauere Angaben über Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener ethnischer Gruppen erwartet sowie Kenntnisse über die Verbreitung von Erbkrankheiten oder von Immunitäten gegenüber Infektionskrankheiten medizinisch nutzen will. Selbstverständlich trifft ein solches Projekt auch auf Probleme, wie zum Beispiel die Vermischung der Völker durch zunehmende Globalisierung, welches verursacht ist durch weit bessere Transportmöglichkeiten, weshalb man unter 400 für genetische Analysen erwählten ethnischen Gruppen einige weitgehend von der Menschheit isolierte "Urbevölkerungen" ausgesucht hat. Solche Gruppen gehören dazu, die sich seit der Renaissance nicht mit anderen Völkern vermischt haben, wie die Aka-Mbuti-Pygmäen in Zaire, die Yanonami-Indios am Amazonas, die Chukchi-Eskimos in Nordost-Sibirien, die Prärie-Apachen im Südwesten Amerikas sowie die Saame-Nomaden in Lappland. Bei den ethnischen Bevölkerungen sollen Individuen freiwillig Genproben abgeben, welche dann eingefroren oder in Zellkulturen umgewandelt werden, um dann untersucht zu werden. Aufgrund einiger Schwierigkeiten bei der Organisation rechnet man mit einer Laufzeit von einigen Jahren. Das "Human Genome Project" im Gegensatz versucht, ein einzelnes Genom auf alle möglichen Informationen über die genetische Zuständigkeit für gewisse Eigenschaften und Fähigkeiten zu untersuchen.

Aufgrund der Genforschungen haben schon einige Forschungsprojekte (u.a. das Human Diversity Project) interessante Ergebnisse aufgestellt: Im Bezug auf die europäische Bevölkerung konnte man eine erste homo sapiens - Besiedlung vor 35 000 Jahren feststellen. Die Basken sind direkte Nachfahren der Menschen, die damals den Neandertaler vertrieben hatten. Die zweite essentielle Einwanderungswelle fand vor 10 000 Jahren aus dem Südosten statt, als anatolische Bauernvölker nach Europa emigrierten. Die dritte Einwanderungswelle, die die heutigen Europäer geprägt hat, fand vor 5000 Jahren statt. Damals drangen Reiterhorden aus der heutigen russischen Steppe in den europäischen Kontinent ein. Diese Erkenntnisse zu gewinnen, war sehr leicht für die Forscher, da bereits aus medizinischen Gründen viele genetische Proben von ethnischen Gruppen Europas vorlagen.

Etwas schwieriger war es in Nordamerika, wobei allerdings ebenfalls interessante Ergebnisse über die Erstbesiedlung der "Neuen Welt" erlangt worden sind. So glauben Genforscher trotz dem Fakt, dass die ersten archäologischen Funde von menschlicher Kultur in Alaska nur 15 000 Jahre alt sind, dass die Wanderungswelle aus Sibirien über die Beringstraße nach Alaska schon vor ca. 30 000 Jahren stattfand. Noch vor den Europäern könnte die Neue Welt nach der Meinung einiger Forscher auch ein zweites Mal aus dem asiatischen Bereich der Erde von Menschen aufgesucht worden sein, was aber nicht über die Beringstraße, sondern vor ca. 6000 Jahren über die Pazifikinseln erfolgt sein dürfte.

Auch über den Ursprung des modernen Menschen besteht eine große Neugier. Alan Wilson von der Universität Kaliforniens in Berkeley meint diese Frage gelöst zu haben. Aufgrund von Untersuchungen genetischer Veränderungen der Mitochondrien einer Zelle, die nur von mütterlicher Seite her vererbbar sind, wurde festgestellt, dass die "Urmutter" aller modernen Menschen in Afrika vor etwa 200 000 Jahren gelebt haben dürfte. Die Auswanderungswelle "Out of Africa" habe nach Wilson vor ca. 100 000 Jahren begonnen und dann, vor ca. 35 000 Jahren, sei der moderne Mensch auf alle Kontinente ausgebreitet und der homo erectus verdrängt gewesen. Dagegen widersprechen Vertreter der "Regionaler-Ursprung-Theorie", die behaupten, anhand der Untersuchung bestimmter Gene des Immunsystems auf eine homo sapiens - Gründerpopulation von mindestens 10 000 Menschen in verschiedenen Klein-gruppen ausgehen zu dürfen.

Man sieht also, dass die Genforschung zwar relativ viele ethnische Fragen beantworten kann, doch einiges kann man heutzutage aufgrund der Komplexität eines Genoms noch nicht erfahren.

Im Interview mit Dr. Luigi Cavalli-Sforza, Professor für Genetik an der Stanford Medical School in Kalifornien, einer der leitenden Persönlichkeiten des Human Diversity Projects, wurden einige Problematiken aufgezählt, die mit der Gentechnologie auftreten können. Zu den Fragen der "rassischen" Unterschiede meinte Cavalli-Sforza optimistisch, dass es sich herausstellen werde, dass die Gemeinsamkeiten zwischen den Rassen überwiegen. Er sieht keine Gefahr der genetischen Diskriminierung, da der Begriff der "Rassen" genetisch nicht haltbar sei. Denn aufgrund der nicht festlegbaren Definition der "reinen Rasse" könne es keine "reine Rasse" geben. Die Gefahr der Entwicklung biologischer Waffen gegen bestimmte Völker sei somit ebenfalls ausgeschlossen, weil sich das Volk spezifisch nicht definieren ließe und besonders oft auftauchende genetische Schwächen des Volkes genauso auf andere Völker, nur in mehr oder weniger geringen Relationen, auftauchten. Ein Problem allerdings sei, dass Urvölker aufgrund ihrer in Relation zu anderen Völkern sehr ursprünglichen Genressourcen ausgebeutet werden könnten. Da diese Gefahr bestehe, so Cavalli-Sforza, müsse man Maßnahmen treffen, um solche Gefahren zu kompensieren. Beim Human Diversity Project besteht auch ein ethnisches Problem in Hinsicht auf die Zugänglichkeit von Urvölkern und auf die Einflüsse des Kontaktes mit der westlichen Zivilisation, dessen Auswirkungen wir schon heute bei einigen ehemaligen Urvölkern feststellen (z.B. Indios, Aborigines, Indianer etc.). Dr. Cavalli-Sforza sieht darin kein großes Problem, da viele "primitive" Völker sehr zugänglich sind und die Forscher letztendlich darauf achten, Aberglauben und moralische Bedenken der Völker zu berücksichtigen. Direkten Nutzen haben die Völker nach Cavalli-Sforza schon. Neben medizinischer Hilfe durch Medikamente unter der Berücksichtigung, diese Völker nicht von westlicher Wohlfahrt abhängig zu machen, hilft es Staaten, die sich am Human Diversity Project beteiligen, ihre Wissenschaften und damit indirekt ihre Wirtschaft zu stärken! Ein letztes Problem, das Cavalli-Sforza zwar für höchst unwahrscheinlich, aber durch Regelungen verhinderbar hält, ist die Patentierung medizinisch interessanter Gene, was sich seiner Meinung nach aber sowieso nicht durchsetzen werde.

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Im Zwiespalt der Gen-Zeit

Die Evolution hat dem Menschen viele Krankheiten und Probleme aufgebürdet. Aber gleichzeitig hat sie ihm auch ein Organ - das Gehirn - gegeben, um diese vermeintliche "Pfuscherei der Evolution" an ihm und seiner Umwelt zu beheben. Von diversen Kräutermixturen im Mittelalter über einfache Medikamente bis hin zur hochmodernen Medizin hat der Mensch immer versucht, die Schwächen seines Körpers - Alter und Krankheit - einzudämmen. Und zu eben diesem Zwecke wird der Mensch auch die neuste und mächtigste Möglichkeit, die Gentechnologie, verwenden.

Doch wohin dieser Weg führt, ist ungewiss. Während viele Gentechniker sich eine Welt in Frieden, ohne Hunger, Leid und Krankheiten, erträumen, fürchten andere manipulierte Geschöpfe und ökologische Verwüstungen. Entscheidend dafür, in welcher Weise die Gentechnik unsere Zukunft verändert, ist die Antwort auf die Frage, wie sie unser Denken beeinflusst. Entscheidend sind die Fragen, was die Menschen der Gentechnik zutrauen und wie sie die neuen Erkenntnisse bewerten.

In den letzten Jahren hat die Gentechnik rasante Fortschritte erzielt. So ist 1988 das Genomprojekt gestartet worden: Bis 2005 sollen alle ca. 3 Milliarden Bausteine der menschlichen Erbsubstanz entziffert sein. Das erste Ziel hingegen ist bereits erreicht: Das menschliche Erbgut ist im groben weitgehend kartiert. Auch hat man mittlerweile die Gene für diverse Erbleiden entdeckt. Außerdem glaubt man, Gene für verschiedenste Krankheiten gefunden zu haben, und sogar Gene, die für das Verhalten - z. B. Alkoholismus und Aggressivität - verantwortlich sind. Allerdings ist diese direkte Abhängigkeit, dass genau ein einziges Gen genau eine Krankheit auslöst, nur bei wenigen, sehr seltenen Erbkrankheiten der Fall. Meistens wirken eine Vielzahl von Genen zusammen, und selbst diese Genkombinationen sind nicht eindeutig. Beispielsweise hat die Mehrheit einer bestimmten Patientengruppe eine bestimmte Genkombination, andere mit demselben Leiden aber auch wieder nicht.

Mittlerweile hat sich der Glaube an die "genetische Vorherbestimmtheit" verbreitet. Dabei wird aber übersehen, dass der Mensch nicht nur das Produkt seiner Gene ist, sondern dass auch andere Einflüsse - z.B. Umwelt, Sozialisation und Gesellschaft - den Menschen prägen. Da aber die Gentechniker eine simple Lösung bieten - alles ist durch Gene bedingt - werden jahrelange Forschungsergebnisse einiger Sozialwissenschaften einfach vergessen. Allerdings stellt sich dann die Frage: Wozu ist noch Sozialisation notwendig, wenn der Mensch, sein Verhalten und Charakter, nur durch seine Gene determiniert wird? Was bewirken Rehabilitationsmaßnahmen und Psychotherapien? Doch einzelne Elemente eines komplexen Systems addieren sich nicht einfach, vielmehr besteht zwischen ihnen eine reversibel-kausale Beziehung. Aus diesem Grund ist der Mensch mehr als nur die Summe seiner Gene.

Viele Biochemiker aber versuchen nur noch viele Fakten anzusammeln, aus denen sie letztendlich keine neuen Erkenntnisse gewinnen können. Zwar versprechen sie, viele Fehler der Evolution diagnostizieren und beheben zu können. Aber auch das hätte Nachteile: Was nützt eine Diagnose einer Erbkrankheit, wenn keine Therapie zur Verfügung steht? Und wie lange werden Politiker und Versicherungsgesellschaften die steigenden Kosten für ein erbkrankes Kind übernehmen, wenn den Eltern eine zuverlässige Diagnosemöglichkeit zur Verfügung stand. So verweigern schon heute einige amerikanische Versicherungen die Übernahme der Behandlungskosten, wenn die Krankheit bereits vor der Geburt diagnostiziert wurde.

Andererseits ermöglicht die Diagnose einer Krankheit, bevor diese ausgebrochen ist, eine vorweggenommene Therapie. Allerdings machen die meisten Gene für eine Krankheit nur empfänglich, führen aber nicht sicher zum Ausbruch dieser Krankheit, so dass viele Therapien überflüssig wären.

Eine andere Möglichkeit ist die Keimbahntherapie. Bei dieser Therapie werden nicht nur einzelne Zellen eines Menschen verändert, sondern Gene in das Erbgut von Embryonen eingeschleust. Durch diesen Eingriff wird somit nicht nur das Individuum verändert, sondern es gibt die genetische Veränderung auch an alle Nachkommen weiter. Allerdings lehnen die meisten Wissenschaftler diese Therapiemöglichkeit noch ab.

Zum Schluss stellt sich somit noch die Frage, welche "Fehlerrate" einem Individuum zugestanden wird. So fordert Prof. Benno Müller-Hill, dass genetisch Benachteiligte durch das Gesetz geschützt werden müssen. Außerdem wird der Mensch, wenn alle Gene des Menschen entschlüsselt sind, feststellen, dass jeder seine individuellen Gene und Fehler hat und erkennen, dass es den perfekten Menschen nicht gibt.

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Vor- und Nachteile der Gentechnik

Bezüglich der genannten Themen ergeben sich, in den Zusammenfassungen bereits erwähnte, Vor- und Nachteile, die an dieser Stelle jedoch noch einmal explizit und konkret aufgeführt werden: Die Keimbahntherapie als erst genannter Bestandteil der Gentechnik würde sich als äußerst vorteilhaft zur Vorbeugung schwerer Krankheiten und Mißbildungen erweisen.

Aber an dieser Stelle muß man schon zu den Nachteilen dieser Therapie übergehen, denn es gibt noch keine verbindliche und konkrete Grenze zwischen Heilung und Verbesserung bzw. Optimierung des Menschen. Durch den Mangel an Kenntnissen bezüglich der Keimbahn- therapie ist diese noch nicht zuverlässig und birgt noch viele Gefahren: Ihre Anwendung heutzutage könnte nach Meinungen von Wissenschaftlern eine Schädigung des Genoms, seiner späteren Entwicklung und seiner Nachkommenschaft hervorrufen. Außerdem kennt man zwar zur Zeit schon viele genetisch bedingte Krankheiten, aber von konkreten Therapie-möglichkeiten kann kein Gebrauch gemacht werden, da noch keine präzisen Angaben über den Standort der einzelnen Gene existieren.

Auch das Klonen, das es in zwei Variationen gibt, muß aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Durch die mehrfache Teilung von Zellen, die erste Art des Klonens, erhielten Eltern die gewünschte Anzahl von identischen Kindern. Auch könnte ein Mann z. B. seinen eingefrorenen Klon, so weit vorhanden, auftauen lassen, wenn er diesen beispielsweise zu seinem beruflichen oder privaten Nachfolger ernennen möchte.

Doch es steigen die Mißbildungen und Embryonenabstoßungen mit jeder Klongeneration, ein Faktum, das sich die Wissenschaftler noch nicht erklären können.

Die zweite Art des Klonens (Austausch eines Eizellenkerns inklusive Erbgut gegen den Kern einer beliebigen Körperzelle) ermöglicht es, daß bereits unfruchtbare Frauen Kinder bekommen können; auch entsteht hierbei wieder ein Mensch, der identisch mit der Wunschperson der Eltern ist. Doch an dieser Stelle liegt ein psychologisches Problem: Es entsteht also kein weiteres Individuum, aber dieses Argument muß dialektisch betrachtet werden, denn der Charakter eines Menschen hängt nicht nur von den Genen ab, sondern u. a. auch vom sozialen Umfeld, in dem er aufwächst.

Ein wesentlicher Vorteil der Genforschung ist die Pränataldiagnostik. Durch diese in den meisten Fällen präzise Diagnose müssen viele Schwangerschaften erblich belasteter Eltern nicht mehr aufgrund eines gewissen Risikos abgebrochen werden; folglich können auch genetisch vorbelastete Familien Kinder haben.

Doch gerade an der Stelle der Präzision liegt auch der Schwachpunkt der Euthanasie, denn die Diagnosen der Mediziner sind nicht immer präzise, auch sie unterliegen gelegentlich menschlichem Versagen. Die Ärzte können angeklagt werden, wenn aufgrund ihrer falschen Diagnose eine Schwangerschaft abgebrochen wurde. Die Pränataldiagnostik fördert auch die Intoleranz der Gesellschaft gegenüber Behinderten, denn warum sollte man ein behindertes Kind, das den Eltern unumstritten größere Umstände bereitet als ein nichtbehindertes, gebären, wenn dessen Behinderung in einem frühen Entwicklungsstadium diagnostiziert worden ist und eine Abtreibung noch möglich gewesen wäre?!

Da die pränatale Diagnostik nur Träger von dominanten Erbanlagen erfaßt, die Weitergabe von rezessiven Genen ausschließt und somit erblich belastete Eltern gegebenenfalls zu einer Schwangerschaft ermutigte, würden Erbkrankheiten nicht ausgerottet, sondern vielmehr weiterverbreitet.

Vorteile der mittels Gentechnik durchgeführten Blutprobe sind vor allem die erweiterten und neu erworbenen medizinischen Kenntnisse über die Verbreitung von Erbkrankheiten und Immunitäten gegen Infektionskrankheiten; diese Fortschritte stellen eine wichtige Hilfe für die Entwicklung neuer Therapien dar. Außerdem bedeuten diese Forschungsergebnisse eine neue Aufarbeitung der Menschheitsgeschichte, Anthropologie und menschlichen Genese, wodurch auch die menschliche Neugier nach seinem Ursprung befriedigt wird. Es zeigt sich also, daß bestimmte Fortschritte in der Gentechnologie heute schon denk- und durchführbar sind.

Natürlich birgt die Blutprobe auch sehr viele Nachteile, die alle mit der Verletzung der menschlichen Individualität und der Menschenrechte und -würde verbunden sind: Die Gefahr der ideologisch radikalen Eugenik und der genetischen Diskriminierung beim Auftreten von Unterschieden in Leistungsfähigkeit oder Resistenzen ist sehr groß. Die genetischen Ressourcen von Urvölkern, herangezogen zu Forschungszwecken, würden in vielen Fällen sicherlich skrupellos ausgebeutet; gegen den hippokratischen Eid wäre die Patentierung medizinisch interessanter Gene nicht unrealistisch. Wie bei der Keimbahntherapie entstehen auch bei der Untersuchung des Blutes verschiedener Völker unterschiedliche Definitionen von "gesund", "wünschenswert" und optimal; auch fehlt die Flexibilität bei einem einheitlich optimiertem Genpool. Weitaus gefährlichere Folgen wären möglicherweise die Entwicklung ethnospezifischer, biologischer Waffen oder sogar der Einbau von sich negativ auswirkenden Genen in die Bakterien des menschlichen Körpers.

Abschließend läßt sich feststellen, daß die aktuelle Gentechnik noch nicht präzise genug ist, wodurch es bei Versuchen an Menschen zu unbekannten und unerforschten Auswirkungen auf die Nachfahren kommen könnte.

Am Schluß der Auflistung ihrer einzelnen Kriterien muß natürlich die Gentechnik generell erörtert werden: Als Vorteil erweisen sich zum einen die bereits erforschten genetischen Hintergründe einiger Krankheiten, zum anderen natürlich in manchen Fällen deren Kurierung, bevor sie ausbrechen.

Aber auch bei der Gentechnik selbst überwiegen heutzutage noch die Nachteile: Häufig besteht zwischen einer Krankheit und dem sie vermeintlich auslösendem Gen keine eindeutige Zuordnung, da Patienten, die an derselben Krankheit erkrankt sind, nicht immer ein und dasselbe ausschlaggebende Gen in sich tragen oder ihnen auch nicht immer ein und dasselbe Gen fehlt. Die übermäßige Fixierung auf die Genetik zieht den wachsenden Glauben "an die genetische Vorherbestimmung" mit sich. Vor allem die Gesetzgebung, bezogen auf Gentechnik, weist zur Zeit noch sehr viele Mängel auf: Es ist unklar, ob Versicherungen die Entscheidung der Eltern, ein erkranktes Kind zu bekommen, akzeptieren und Gelder gestatten, wenn die Möglichkeit einer Frühdiagnose bestanden hat. Auch bestimmte Menschenrechtler prangern einzelne Kriterien der Gentechnik an: So ist die Keimbahntherapie ein Eingriff in die Evolution, und durch das Klonen beispielsweise könnte der Mensch seine Individualität verlieren.

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Neues künstliches Gen

(dpa 1976)

Zum ersten Male ist es Wissenschaftlern gelungen, ein arbeitsfähiges Gen zu schaffen. Nach neun Jahren intensiver Arbeit erzielte ein internationales Forschungsteam des renommierten "Massachusetts Institute of Technology" diesen wissenschaftlichen Durchbruch mit weitreichenden Implikationen.

Die Arbeiten über das erste künstliche Erbpartikel, dessen Funktionen gesteuert werden können, werden am Montag auf der Eröffnungssitzung der amerikanischen chemischen Gesellschaft in San Francisco offiziell präsentiert werden. "Die Entwicklung öffnet neue Türen zum Verständnis darüber, wie diese Gene arbeiten und wie sie reguliert werden - d.h., was ihre Funktionen auslöst und was nicht", versicherte Nobelpreisträger Prof. Har Gobind Khorana, der Leiter des internationalen Forschungsteams am Wochenende. Mit dem steuerbaren Gen werden der Medizin auf lange Sicht die Mittel in die Hand gegeben, um die Zusammenhänge von Erbkrankheiten zu erforschen und Heilmethoden zu entwickeln. Wahrscheinlich dürfte auch die Krebsforschung erheblich davon profitieren. Das Gen, von dem die Wissenschaftler nun eine künstliche, steuerbare Kopie entwickelten, funktioniert im übertragenen Sinne wie ein Elektronenrechner. Es speichert die vererbte Information, die dann wiederum gewisse Reaktionen der Zelle auslöst oder beeinflusst.

Bereits in den letzten Jahren war es gelungen, den Hauptteil eines Gens - eine lange chemische Kette mit dem Vererbungscode für die Struktur eines im wesentlichen aus Protein bestehenden Moleküls - zu entwickeln. Allerdings fehlte diesen Genen der Auslösemechanismus des "Start" und "Stop", um sie funktions-tüchtig zu machen.

Das Gen von Massachusetts besitzt nun zum ersten Male diesen funktionierenden Kontrollmechanismus. Freilich wissen die Wissenschaftler noch nicht im einzelnen, wie er genau arbeitet. Obwohl das neue künstliche Gen bei weitem einfacher strukturiert ist als z.B. ein menschliches, so könnte eine Weiterentwicklung zu einer neuen, komplizierten Generation von künstlichen Genen führen. Damit könnten z.B. kranken Zellen im Menschen die Befehle gegeben werden, Defekte zu korrigieren und so genetische Krankheiten zu heilen. Das neue Retorten-Gen wird von den Wissenschaftlern als ein Schritt in dieser Richtung eingeschätzt, obwohl nach ihrer Meinung noch eine Anzahl von Jahren bis zur Entwicklung eines solchen bei weitem komplizierteren Heil-Erbpartikels vergehen dürfte.

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Perfektionierung des menschlichen Genpools

Den Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie unter ihrem eigenen Einfluss Probleme mit ihrem Genpool bekommt. Nun, warum bekommt der Mensch diese Probleme eher als Tiere, obwohl der Mensch doch eigentlich unter viel besseren Umständen lebt, als seine Vorfahren der Steinzeit. Wir brauchen noch nicht einmal so weit in die Vergangenheit zurückblicken. Schon der Vergleich mit den Lebensumständen des Mittelalters oder vor ein bis zwei Jahrhunderten zeigt, dass die westliche Welt heutzutage in einem relativen Wohlstand lebt und sich keine Sorgen mehr um sein Überleben zu machen braucht. Doch gerade das ist eines der Probleme, die den Genpool der Menschheit nachteilig beeinflussen. Nach Darwins Theorie der Selektion, nach der nur die stärksten Lebewesen oder die mit den meisten Vorteilen überleben, müssen kranke und schwache Lebewesen sterben! Dieser Mechanismus der Natur, die Kranken und Schwachen herauszufiltern, scheint uns vielleicht auf den ersten Blick sehr inhuman zu erscheinen, erhöht letztendlich die Überlebenschancen gesünderer Lebewesen und vermeidet eine weitere Verbreitung von genetisch kranken oder krankheitsanfälligen Genen. Das nennt man Selektionsdruck: der Druck auf alle Lebewesen ist, zu überleben und sich dann fortzupflanzen und für das Wohlergehen des Nachwuchses zu sorgen. Da kranke und schwache Tiere zumal selten dazu kommen, sich fortzupflanzen, bevor sie sterben, wird dadurch auch verhindert, dass sich im Genpool der bestimmten Rasse zu viele "überlebenshindernde" Gene befinden. Der Mensch allerdings hat Wege gefunden, diesem Selektionsdruck zu entgehen oder ihn zumindest zu ändern, da der Mensch nicht in der unveränderten Natur leben kann (Arnold Gehlen). Außerdem nimmt die Mutationsrate zu, aufgrund negativer Einflüsse, die die Umwelt und das Werk des heutigen Menschen definieren (z.B. Radioaktivität, Umweltverschmutzungen etc.). Dadurch steigt allerdings die Zahl sich negativ auswirkender Gene im Genpool der menschlichen Populationen. Das Erleichtern der Lebensumstände von genetisch Kranken (z.B. Bluterkranken) ermöglicht, dass Kranke, die normalerweise nicht überlebt hätten, sich fortpflanzen können und ihre Krankheit weitervererben. Wie versucht man nun solch eine Vererbung zu verhindern? Trotz verschiedener lebenserleichternder Medikamente, lässt sich eine komplette Heilung von Genkrankheiten nur durch direkten Eingriff in die DNS des Menschen erreichen. Obwohl sich die Teile komplexer Genkombinationen nicht einfach addieren, sind doch oft Kausalitätsketten beobachtbar. Und somit können durch Genmanipulationen doch gezielt einige Dinge bewirkt werden. Jedes Lebewesen versucht mit allen Mitteln, zu überleben - und dies möglichst auf dem vorteilhaftesten Wege. Warum sollte also der Mensch seine Fähigkeiten nicht eben zu diesem Zwecke verwenden?

Es gibt also verschiedene Weisen, genetische Krankheiten zu behandeln. Wie schon erwähnt sind krankheitslindernde Maßnahmen nicht so effektiv wie direkte Manipulation durch verschiedene Maßnahmen der Eugenik oder durch neue Techniken der Keimbahntherapie. Eugenische Maßnahmen sind freilich die leichter durchführbaren. Eugenik ist die indirekte Verbesserung des Genpools durch Kontrolle des Fortpflanzungsvorgangs. Was sich anfangs so lächerlich anhört, hat schon alles andere als lächerliche Auswirkungen gehabt. Eugenik kann man unterteilen in negative und positive Eugenik.

Die negative ist die gezielte Verhinderung genetisch Kranker an der Fortpflanzung, während die positive Eugenik die gezielte Förderung der Fortpflanzung zwischen Personen mit genetisch "wünschenswerter" DNS ist.

Zur negativen Eugenik muss man leider zugeben, dass solche "Projekte" schon durchgeführt worden sind - und zwar im Nationalsozialismus des "Dritten Reiches". Solche Maßnahmen sind schon mit dem berechtigten Ruf behaftet, zu ideologischen Radikalismus zu führen und generell haben eugenische Maßnahmen den Nachteil, dass die Gefahr besteht, dass das Individuum und dessen Würde außer acht gelassen werden. Maßnahmen der positiven Eugenik wiederum lassen sich ebenfalls extremisieren in eine Art "künstliche Züchtung". Beide Arten der Eugenik sind mehr als nur bedenklich. Die Gefahren, die durch Nutzung eugenischer Maßnahmen auftauchen, werden durch die Anwendung ausgereifter Techniken der Keimbahntherapie ausgeschlossen.

Bei der Keimbahntherapie wird das Genom von Ei- und/oder Samenzellen behandelt. Das veränderte Erbgut wird an alle Nachkommen weitergegeben. Im besten Fall kann damit eine Erbkrankheit endgültig geheilt werden, andererseits besteht das Risiko, dass durch den Eingriff Genschäden entstehen, die nicht erkannt werden, und sich erst spät in der Entwicklung zeigen. Auch diese Genschäden werden vererbt. Die Keimbahntherapie ist bislang weltweit verboten. Das liegt eben daran, dass sie noch nicht ausgereift genug ist. Dagegen hilft nur die Forschung - und zwar nicht nur die Erforschung der Keimbahntherapie, sondern auch insgesamt die Erforschung jeglicher Bereiche der Gentechnik, um alle möglichen Risiken und Gefahren auf ein Minimum zu reduzieren. Forschung kann man und sollte man nicht beschränken, da erst durch gründliche Forschung Fragen und Bedenken zur und gegen gentechnologische Entwicklung bestätigt, aufgeworfen - beantwortet werden können. Die Nützlichkeit eines Gens, aber auch die Definition eines Gens als krankes Gen ändert sich von Umwelt zu Umwelt, von Zeit zu Zeit. Ein weiteres Problem ist die Frage nach der übrigbleibenden Flexibilität des Genpools einer Rasse, wenn in einem gewissen Zeitraum mehrere nach einem ganz bestimmten Muster behandelt wurden. In der Natur ist es anscheinend so eingefädelt, dass die Gene einer Art von Lebensform zwischen den individuellen Lebewesen so unterschiedlich sind, dass sich bestimmte Schwächen nur auf einen winzigen Teil der Lebensformpopulation auswirkt, so dass der Rest bei besonderen Bedingungen überlebt.

In Amerika wurde beispielsweise Mais auf maximale "Ausbeute" hin optimiert. Man hatte nur ein einziges genetisches Material für die Herstellung des größten Teils der angebauten Maishybriden verwendet. Doch im Jahr 1970 geschah es, dass ein bis dahin völlig unbedeutender Krankheitserreger durch eine spezielle Wetterlage begünstigt den Mais befiel. Das Problem war allerdings, dass aufgrund eines einheitlichen Gencodes das Mais dem Krankheitserreger hoffnungslos ausgeliefert war. Dementsprechend war ein Großteil der Maisernte des Jahres zerstört. Seit diesem Vorfall haben die Amerikaner gelernt, dass genetische Optimierung vielleicht erst einmal Vorteile bringt, dass aber bei einheitlicher Optimierung die Flexibilität einer Population zugrunde geht - und bei dem Menschen ist es nicht anders.

Letztendlich kann man die Möglichkeit, schwere Krankheiten durch Keimbahntherapie zu heilen, nicht ignorieren. Man könnte sich darauf einigen, dass Menschen dann in den "Genuss" der Keimbahntherapie kommen, wenn wirklich schwere behindernde und lebensgefährliche Krankheiten vorliegen - eine Optimierung des Menschen "auf Wunsch" sollte jedoch unter Berücksichtigung der Risiken sowie der Menschenwürde des "optimierten Menschen" strikt verboten werden.

Nun, man muss nicht unbedingt direkt diese sehr ungenauen Verfahren der Keimbahntherapie anwenden, es geht auch radikaler - Abtreibung wäre eine Alternative. Doch man muss selbstverständlich erst in der Lage sein, die Krankheiten vor der Abtreibung zu erkennen und sich dann von einigen Aspekten ausgehend für oder gegen eine Abtreibung auszusprechen. Dazu gibt es die Technik der Pränataldiagnostik. Dabei wird ein natürlich oder per In-Vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung) gezeugter Embryo im Mutterleib auf genetische Schäden untersucht. Mütter haben heute schon das Recht, bei schweren, nicht behandelbaren Krankheiten, einen Schwangerschaftsabbruch zu verlangen.

Noch vor der Pränataldiagnostik kann man seelisch oder körperlich schmerzhafte Abtreibungen verhindern, indem sich die Eltern einer genetischen Beratung anvertrauen. Dabei werden die Elternteile auf genetisch rezessive oder dominante Schäden hin untersucht und die Höhe der Wahrscheinlichkeit, welche Krankheit ein zukünftiges Kind nun haben wird, ausgerechnet. Dieses Verfahren wird heute schon praktiziert und ist auch nicht bedenklich, da es zur Familienplanung beiträgt und noch nicht das Leben eines Embryos gefährdet. Auch die Pränataldiagnostik an sich ist nicht bedenklich - es ist einfach eine Information für die Eltern, mit dem Unterschied gegenüber der genetischen Beratung, dass der Embryo sich schon entwickelt. Über eine Abtreibung oder eine Keimbahntherapie u.a. müssten die Eltern dann unter ärztlicher Beratung im Rahmen gültiger Richtlinien entscheiden. Sehr ratsam wäre natürlich eine Perfektionierung der Diagnoseverfahren in puncto Zeit, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit. Ein optimiertes oder erwünschtes Kind ist mit der Pränataldiagnostik nicht möglich - es ist nur eine informierende Diagnostik.

Doch da stellt sich im Bezug auf die Keimbahntherapie und die Pränataldiagnostik die Frage, wer nun bestimmt, was ein wünschenswerter oder optimaler Genpool ist.

Dabei müsste man ein Gremium aufstellen, das in verschiedenen Sitzungen darüber berät, welche Genanomalien als schwere Krankheiten gelten und welche das Leben eines Menschen zwar behindern, jedoch nicht zu den schweren Krankheiten gehören, die nach stattgefundener Pränataldiagnostik durch Keimbahntherapie behandelnswert sind oder eine Abtreibung berechtigen. Die Personen, die dazu geeignet wären, wären Genforscher, Mediziner, Juristen und Politiker. Weltweit werden die jeweils 10 besten Personen von Angehörigen der Branchen Genforschung, Medizin, Jura und Politik gewählt. Diese insgesamt 40 Personen müssten dann Richtlinien und Gesetze aufstellen, die für alle UN -Länder verbindlich wären.

Die Gentechnologie birgt auch weitere Fragen, z. B. die Frage, ob der künstliche Uterus und In-Vitro-Fertilisation erlaubt werden sollten oder nicht. Bei diesen Techniken wird eine Eizelle außerhalb des Körpers mit einer Samenzelle befruchtet und nach einiger Zeit in eine Leihmutter eingepflanzt. Man braucht allerdings bei heute schon fortgeschrittener Technologie nichts zu befürchten, letztendlich wird ja nichts an den Genen geändert - es wird nur der von der Natur vorgeschriebene Zeugungs- und Schwangerschaftsvorgang etwas geändert. Künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft und ein künstlicher Uterus auf Wunsch der Familie ist nicht bedenklich.

Nachdem das Schaf "Dolly" geklont wurde und selbst das Klonen von menschlichen Embryonen ermöglicht wurde, ist auch die Frage nach dem Sinn des Klonens aufgeworfen worden. Klonen von Menschen ist äußerst bedenklich, wenn man erstens den Aspekt der Individualität und zweitens den psychischen Aspekt des Menschen berücksichtigt. Klonen bringt die Schwierigkeit mit sich, dass eine Person sich als Kopie nicht wohlfühlen kann, die Würde des Klons als Menschen leidet erheblich darunter. Ganze Menschen als Ersatzteillager für das "Original" zu klonen ist ebenfalls eine Verletzung der Menschenwürde, wenn Menschen nur noch als Gegenstand behandelt werden und ihre seelische Verfassung gar nicht interessiert. Einzelne Organe zu klonen ist jedoch unbedenklich, wir sprechen hier von "nicht-beseeltem", völlig kompatiblem Gewebe.

Und schließlich werden neue Fragen aufgeworfen im Bezug auf weitere, genetische Erforschung des menschlichen Metabolismus. Es stellt sich die Frage , was geschieht, wenn aufgrund der Untersuchung von Genen verschiedener Völker herauskommt, dass verschiedene Völker in Fähigkeiten oder in Resistenzen anderen gegenüber "unterlegen" sind. Wären solche Forschungsergebnisse nicht Anhaltspunkte, an denen Rassisten ihren Ideologien einen wissenschaftlichen Hintergrund geben könnten? - Eine genetische Diskriminierung ist allerdings nur dann möglich, wenn vorher schon rassistische Vorurteile bestehen. Da die genetischen Unterschiede zwischen Individuen desselben Volkes oftmals größer sind als die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen, ist es unsinnig, Forschungen zu verbieten, aufgrund der Tatsache, dass sie als Stütze diverser Ideologien genutzt werden könnten, weil Ideologien immer eine Basis für ihre Behauptungen finden - egal ob mit oder ohne Genforschung.

Ei weiteres Beispiel der Gefahren genetischer Forschung und Technologie: es kann auch sein, dass eine bestimmte ethnische Gruppe nur zu 20% gegen einen bestimmten Krankheitserreger immun ist, während andere etwa zu 70% resistent sind. Könnte es nicht sein, dass Nachteile einiger Völker dazu genutzt werden könnten, ethnospezifische, biologische Waffen zu entwickeln. Dieser Utopie kann man entgegensetzen, dass auch Individuen anderer Völker in Mitleidenschaft gezogen werden und dass demnach eine solche Waffe nicht mehr ethnospezifisch ist. Obwohl auch bei biologischen Waffen das Prinzip des "Balance of Power" gilt, sollte man solche Waffen genauso wie biologische Waffen generell verbieten.

Man stelle sich zur letzten Problematik den glücklichen Vorfall vor, bei einem Urvolk sei ein Gen gefunden worden, das für die globale Zivilisation sehr vorteilhaft ist. Liegt die Vermutung nicht nahe, dass findige Geschäftsmänner mit dem Motiv der Profitsteigerung Individuen des Volkes ausnutzen und ihre genetischen Ressourcen ausbeuten? Das würde schon früheren Ausbeutungen von Urvölkern ähneln, weshalb man den Willen der Testperson und die allgemeingültigen Menschenrechte berücksichtigen sollte.

Doch wie sieht es jetzt, nach dem Aufzählen der meisten Argumente beider Seiten, mit den Fakten aus? Wie weit ist die Gentechnologie eigentlich schon fortgeschritten. Ein Beispiel ist die Nachricht der Deutschen Presseagentur am Anfang dieser Argumentation. Schon 1976 hat man also schon ein künstliches Gen geschaffen. Außerdem ist man jetzt schon so weit, einige "gentechnische Kunstwerke" durch direkten Eingriff in die DNS zu bewirken - im Gegensatz zur bekannten Kreuzung. Man kann heute schon durch einige Enzyme DNS an verschiedenen Stellen trennen. Diese speziellen Stellen sind solche Bereiche der Kette, die eine hohe Strebsamkeit nach Zusammenlagerung mit anderen DNS-Sequenzen haben und sie werden "sticky ends", also klebrige Enden genannt. Durch diese Technik konnte man schon viele DNS-Kombinationen erstellen, wie z.B. eine DNS-Kombination von Bakterien der Taufliege Drosophila, sowie von Colibakterien und von Krallenfröschen. Ein spezieller Erfolg ist zum Beispiel eine Kombination von Bakterien- und Krallenfrosch-DNS. Durch diese Kombination entwickelten sich Bakterien, die eine DNS mit Information für ein spezielles Froschprotein hatten. Kann man angesichts solcher Fortschritte nicht optimistisch in die genetische Zukunft des Menschen schauen? Noch sind sich die Gegner der Gentechnologie nicht sicher. Selbstverständlich ist, dass solche Tätigkeiten bei höheren Organismen noch nicht durchführbar sind aufgrund weit höherer Komplexität und damit zusammenhängenden Schwierigkeiten in der Praxis.

Auf anderer Seite scheinen einige Tätigkeiten schon praktisch durchführbar, auch bei dem momentanen Stand der Gentechnologie. Es scheint möglich, menschliche Enzyme, Hormone oder sogar Gene aus dem Menschen zu isolieren, sie durch Bakterienkulturen zu vermehren und sie dann in größeren Mengen im menschlichen Körper einzubauen.

Die Gentechnik ist eines der mächtigsten Mittel, die der Menschheit zur Verfügung stehen. Sie birgt viele Gefahren, hat aber auch sehr viel Nutzen für die Menschheit. Es wäre eine Verschwendung, wenn man sie nicht nutzte. Letztendlich muss man wohl oder übel die Anwendung der Gentechnologie vorläufig darauf beschränken, dass nur schwerstbehindernde und lebensgefährliche Krankheiten behandelt werden. Zum Wohle der Menschenwürde und der Flexibilität des menschlichen Genpools sollte von weiteren praktischen Tätigkeiten der Gentechnik solange absehen, bis die Forschung zustimmt und einen Arbeitsgang gründlich nach Risiken durchforstet und sie eliminiert hat. Falls Eltern aus mehr oder weniger verständlichen Gründen trotzdem ein Embryo von genetisch untersuchen lassen, wäre heutzutage die Beratung durch einen Spezialisten, der das Risiko einer genbedingten Krankheit bei fortschreitender Forschung immer besser abschätzen kann, empfehlenswert. Es sollten vielleicht aus dem Kontext noch weitere selbstverständliche Regeln herausgegriffen werden. Diese Regeln befassen sich mit der Gefahr für den Menschen. Negative Gene und Bakterien, die im menschlichen Körper vorkommen, sollten von Versuchen größtenteils verschont werden. Negative Gene fügen dem menschlichen Metabolismus Schaden zu - direkt oder indirekt! Außerdem sollte besonders der Rat befolgt werden, generell Arbeiten mit in Laboren entstehenden Bakterienstämmen von der menschlichen Umwelt abzuschirmen, da sie sich weder mit der menschlichen Umwelt vertrage könnten, noch der Mensch das noch überleben könnte. Tausende oder Millionen Tote wären dann die Folge.

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Gesetzesentwurf zur Gentechnik

§1 [Allgemeines]

  1. Die Gesetze zur Gentechnik sind für alle Mitgliedsstaaten der UN verbindlich.
  2. Die Genforschung und Gentechnik soll zum Wohle der Menschheit dienen.
  3. Genforschung ist ausdrücklich erlaubt, insofern sie nicht gegen bestehende Gesetze verstößt oder ausschließlich der Entwicklung von Waffen dient.

§2 [Klonen]

  1. Es ist verboten, Menschen zu klonen.
  2. Das Klonen von Tieren zum Nutzen der Forschung erlaubt, insofern dieser Nutzen begründet werden kann.
  3. Das Klonen einzelner Organe ist erlaubt.

§3 [Künstliche Schwangerschaften]

  1. Die künstliche Befruchtung einer Eizelle ist erlaubt.
  2. Es ist erlaubt, eine Eizelle einer Leihmutter einzupflanzen.

§4 [Künstlicher Uterus]

  1. Es ist erlaubt, ein Kind in einem künstlichen Uterus zu gebären, insofern dieses aus einer der in Absatz 2 und 3 genannten Gründe geschieht.
  2. Der Wunsch, ein Kind in einem künstlichen Uterus zu gebären muss von Erwachsenen vorgebracht werden, den es aus medizinischen Gründen nicht oder nur unter medizinischen Risiken möglich ist, ein Kind zu gebären. Es dürfen nur solche Erwachsene den künstlichen Uterus in Anspruch nehmen, denen es nach geltendem Adoptionsrecht erlaubt ist, ein Kind zu adoptieren.
  3. Zu Forschungszwecken dürfen in einem künstlichen Uterus nur lebensunfähige Embryos herangezogen werden. Dieser Nutzen muss begründet werden.

§5 [Keimbahntherapie]

  1. Die Keimbahntherapie ist nur zur Behandlung der gemäß Absatz 2 festgelegten Krankheiten erlaubt und darf nicht zur Optimierung des Menschen verwendet werden.
  2. Die Unterscheidung zwischen Optimierung und Krankheit wird und von einem Gremium festgelegt. Diese Gremium besteht aus jeweils 10 in den Branchen Genforschung, Medizin, Jura und Politik gewählten Vertretern.
  3. Nicht erfasste Erscheinungen dürfen nicht durch die Keimbahntherapie behandelt werden.
  4. Die Keimbahntherapie muss möglichst sicher sein. Es dürfen nur Methoden angewandt werden, die durch das in Absatz 2 genannte Gremium ausdrücklich als sicher erkannt und erlaubt wurden.

§6 [Pränataldiagnostik]

  1. Die Pränataldiagnostik ist ausdrücklich erlaubt.
  2. Abtreibung auf Grund einer Diagnose darf nur aus medizinischen Gründen im Einverständnis von Arzt und Eltern geschehen. Ansonsten gilt das Abtreibungsgesetz.
  3. Es dürfen nur Embryos abgetrieben werden, die nicht lebensfähig oder schwer behindert sein werden und nicht mit Hilfe einer Therapie geheilt werden können.
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Quellen:

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Letzte Änderung:
10.12.2005
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